Saisonfinale, Samstag 25. September 2011: "Eine Regatta dauert 6 Stunden und am Ende gewinnt die Quant28"

Mit dieser witzigen Bemerkung äusserte sich ein Segler nach der eher mühsamen, weil sehr, sehr leichtwindigen Regatta und zwar in Anlehnung an die nicht so Ernst gemeinte Definition von Fussball "Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt Deutschland".

Aber so wars, die Saison ging zu Ende wie sie angefangen hat - mit einem Sieg der Q28 im Rennen und dem Sieg der Jahreswertung in R1.

Wie gesagt gestaltete sich das Rennen sehr anstrengend. Nach einem akzeptablen Start zogen wir unter Gennaker dem Feld rasch davon, nach 10 Minuten war der Vorsprung bereits substantiell und wir genossen, wie unser Boot auf dem flachen Wasser und fast totaler morgendlicher Ruhe seine Bahn zog. Es sah aus, als könnten wir - anders als unsere Konkurrenten - ein neues Windsystem erreichen und somit eine frühe Entscheidung herbeiführen. Mit unserer minimalen Anzahl von Rennen (9 pro Saison sind es total und die 5 besten werden gewertet) mussten wir gewinnen. Nur mit einem Sieg hatten wir noch Chancen auf den Gewinn des Jahrescups.

Sie erraten es bereits. Anstatt weiter an Vorsprung zu gewinnen, wurden wir von unserem diesjährigen Hauptkonkurrenten bald wieder eingeholt und sogar überlaufen. Vor der ersten Bahnmarke konnten wir das wieder regeln aber absetzen ging nicht. An der nächsten Marke lagen wir auf der zweiten Position und beim Zwischenziel, welches bei diesen Bedingungen sehr wohl auch das Ziel hätte sein können, fielen wir gar auf den dritten Platz zurück. Es sah für uns nicht gut aus und aufkommender Wind war nirgendwo auszumachen. Philipp bot mir eine Wette an: Eine wirklich gute (=teure) Flasche Wein für den, der recht behalten sollte. Er sagte wir schaffen eine weitere Runde vor Regattaschluss, ich setzte auf das Gegenteil.

Wir dümpelten dahin und die Zeit lief und lief. Kurz vor der am weitesten vom Ziel entfernten Bahnmarke und ca. 55 Minuten vor Rennschluss kam eine leichte aber stetige Brise auf, die wir gleich dazu nutzen, wieder in Führung zu gehen. Nach einem einwandfreien Bojenmanöver und dem Setzen des Gennakers traten wir eilig den Rückweg an. Es grenzte nach diesem Tag fast an ein Wunder - völlig unerwartet setzte sich der Wind nach Lee stetig fort, sodass wir immer an seiner Kante segeln konnten. Wir waren bald wieder voll bei der Sache und bedachten unsere Konkurrenten mit ein paar gelungenen Halsen wieder mit einem erklecklichen Rückstand. Die Bahnmarke vor Meilen rundeten wir sehr eng und wir sahen, dass es weitergehen konnte unter Gennaker.

Bei diesem Rennen ist jedoch der letzte Bahnschenkel über den See und in eine Art Bucht, die von der Halbinsel Au und Horgen gebildet wird, zumeist das völlig unberechenbare "pièce de résistance". Wie um uns doch noch einwenig Segelvergnügen zu verschaffen, bedachte uns Aeolus mit gerade soviel Wind, der ein rechtzeitiges Einlaufen wieder wahrscheinlicher werden liess.

Nun kam nochmals richtig Spannung auf, weil wir nicht nur ein Rennen gegen die Uhr lieferten sondern auch noch die Libera in Schach halten mussten. Diese lief nämlich dank stärkerem Wind stetig auf. Wir machten unsere zweitletzte Halse vor der Einlauftonne zu früh. Als erstes Boot dicht unter Land zu halsen um dann direkt auf die letzte Marke zu halten, war mir zu heiss. Das erwies sich als Fehler. Die Libera kam stetig auf. Sie konnte bei dieser Windstärke tiefer segeln und hatte zudem Wind von Steuerbord. Nach unserer letzten Halse würden wir also kein Wegerecht haben. Zudem liefen wir Gefahr, bei einer Überlappung die Innenposition zu verlieren. Es brauchte Nerven die Q28 anzuluven, um mit mehr Speed eine Überlappung zu verhindern, weil wir damit natürlich nie und nimmer direkten Kurs auf die Einlauftonne nehmen konnten und uns im Gegenteil von ihr entfernten. Nun machte aber die Libera ihrerseits einen Fehler. Sie setzte auf einen direkten Kurs, der aber dann selbst für ihren sehr fülligen Geni zu tief war. Wir schletzten die Quant um die letzte Halse und wir schafften es, den Kurs der Libera ca. 10m vor ihrem drohenden Gennakerrüssel zu queren. Der Geni kam dank bestem Crew-Work rasch runter und dank dem neuen Vorsegel, war das Beschleunigen auf den Amwindkurs ins Ziel nur noch eine Formsache. Knapp aber sauber schafften wir so einen weiteren Nuller - und damit wurde es wahrscheinlicher, dass wir auch die Jahreswertung würden für uns entscheiden können. Es kam dann auch so und wir gewannen mit der minimalen Anzahl erforderlicher Läufe den Cup auch dieses Jahr. Die Q28 hat sich bewährt und hat gezeigt, dass sie auch bei Leichtwind schnell ist. Trotz allem hoffen wir auf ein bisschen mehr Schub in 2012....

Dank an die zahlreiche Leserschaft während der Saison 2011, hang loose und bliibed draa. Es wird auch über kalte Jahreszeit quantastische Nachrichten geben - mindestens so wie es heute aussieht.

Michi

Tags: Boats, Quant
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