Rundum Bodensee, Freitag 20. Juni 2014

Eine Woche nach dem Bol d'Or gings mit unserer Q30 an den Bodensee. Die Rundum habe ich selber noch nie gesteuert und ich kenne den See überhaupt nicht. Mit ein Grund einen Routinier wie Daniel Schroff von NorthSails aufs Schiff zu bitten und selber als Crew mit zu fahren. Für Daniel und Martin (ein Supertyp aus Daniels Esse Crew) ist der Bodensee sozusagen das Heimrevier.

Der forecast war nicht sehr vielversprechend. Sehr leichter Wind aber immerhin aus Richtung Nord-Nord-Ost, was direkte Kurse versprach. Am Freitag Abend vor dem Start fiel der Wind zunächst zusammen, drehte und kam dann aus dem Rheindelta heraus. Sehr leicht aber immerhin konnte man mit dem Wind die erste Bahnmarke vor Romanshorn anlegen. Unser Start war sehr gut und wir lagen bald mehr oder weniger in Front. Das Vergnügen dauerte aber nicht lang. Wir fuhren in veritable Windlöcher und verloren dadurch ein bisschen den Anschluss zur Spitze.

Ein paar wenige Boote auf unserer Seite des Starterfeldes schafften durchzukommen und zogen weg. So zum Beispiel die "Sonnenkönig" eine Farr400. Die Erklärung für die Turbulenzen unter denen wir litten, folgte rasch. Der Wind drehte wieder zurück auf nördliche Richtungen und das Feld auf der Lindauer Seite preschte deutlich vor.

Wir querten anschliessend zu unserem Leidwesen vor einem Teil des Feldes in den neuen Wind, was uns natürlich zurückwarf. Der Wind indes liess sich nicht lumpen, etablierte sich und legte sogar kontinuierlich zu (Freude herrschte) . Die Quant marschierte auf der deutschen Seite des Sees unter Gennaker zügig voran und nach und nach näherten wir uns einem Teil der vorausliegenden Boote - alles grössere Yachten. Optisch sah es aber in Bezug auf die Spitze immer noch eher düster aus, eine Halse Richtung Seemitte oder darüber hinaus auf die Schweizerseite (wo die nächste Bahnmarke lag) kam noch nicht in Frage.

Also segelten wir Richtung Langenargen weiter. Der Wind frischte noch weiter auf, die 10kts Marke auf unserem Speedo wurde langsam geknackt und damit war es easy an den vorausliegenden Booten vorbeizufahren - was die wohl ein bisschen überraschte. Allmählich drehte der Wind ca. 10Grad zu unseren Gunsten und wir leiteten die Halse ein, um über den See zu fahren. Das ging gut und im Umfeld der Bahnmarke sahen wir, dass wir zwar noch zurücklagen zu den führenden Einrumpfbooten. Aber es war nicht mehr die Welt. Vor der Bahnmarke halsten wir nochmals und strichen den Geni.

Mit erreichen der Boje in Romanshorn war der Teil des Rennens, der taktische Entscheidungen erforderte mehr oder weniger vorbei und das Speedrennen hinunter nach Konstanz und hoch nach Überlingen begann. Ganz richtig ist diese Bemerkung allenfalls nicht, weil es - wie wir später sahen -sehr wohl darum ging, eine gute Linie zu finden, z.B. hinsichtlich Landabstand. Dies zu beurteilen, ist für mich mangels Revierkenntnissen nicht möglich und wie das Resultat zeigt, war die Linienwahl von Daniel und Martin tadellos.

Vor uns lagen, soweit ersichtlich - es war mittlerweilen fast Nacht geworden - nur noch grössere Boote. Die Strecke bis Konstanz legten wir fast ausschliesslich auf dem Foil zurück, nur mit Gross und Fock. Um zu foilen, war der Kurs ein kleines bisschen zu spitz aber trotzdem erreichten wir zwischenhineinen einen Speed bis ca. 14kts. Da ein Teil der vorausliegenden Boote über Schwenkkiele und/oder Trapeze (Liberas A und B, u.a. die Raffica) verfügen, war dieser Kurs und die Windstärke genau das, was diese Boote auch am liebsten mögen. Die Distanzen zwischen den Booten auf diesem Anliger änderten sich nicht gross.

Nach der Boje in Konstanz gings bei abnehmendem, eher böigerem Wind ums Konstanzer Horn, vorbei am Anleger der Insel Mainau, Richtung Boje vor Überlingen. Der Überlingersee scheint einer der Knackpunkte dieses Rennens zu sein. Der Wind wurde weniger und Daniel und Martin fürchteten, in diesem Becken sitzen zu bleiben. Es ging tatsächlich nicht mehr ganz so zügig vorwärts aber doch stetig. Wir schafften die Boje und schliesslich lag schon bald auch Meersburg wieder querab. Wir waren auf dem Homerun.

Bei leicht schralendem Wind (mal ein bisschen nördlicher, mal ein bisschen östlicher) segelten wir in einem grossen Bogen den See hinauf Richtung Ziel ohne ein einziges Manöver zu fahren. Das heisst allerdings nicht, dass es bequem war, weil die Q30 - soll sie laufen - ständigen Gewichts- und Segeltrimm fordert. Ausserdem wechselten wir ein paar mal vom Selbstwender auf die Topgenua und zurück.
Die rund 50km hoch nach Lindau spulten wir beim immer selben Wind (sehr erstaunlich) rasch ab und querten die Linie um ca. 3.00 in der Früh. Es war noch stockdunkel.

Claudia Böhm , die uns mit dem Schlauboot das ganze Rennen über begleitete (gibt ein gutes Gefühl:-)) (nochmals vielen Dank) schleppte uns danach wieder 2h zurück nach Arbon. Es war ein langer Tag und ich war ehrlich gesagt am Ende hundemüde - eigentlich zu müde, um die Kiste wieder abzubauen und auf den Trailer zu stellen. Erfreulicherweise gings dann doch ganz gut und wir fuhren noch vor Mittag wieder nach Hause.

Es war eine tolle Regatta, die Q30 zeigte ihr vergleichsweise überragendes Potential und wir segelten mit den grössten und schnellsten Booten mit und verloren beispielsweise auf die "Wild Lady" eine 49' (14.95m) Schwenkkiel Yacht nicht mal ganz eine Stunde. Ihr Mast ist mir 23m ziemlich genau doppelt so lang wie unser Q30 Rigg!!

Das abschneiden der Q30 ist insofern bemerkenswert, da es bei dieser Ausgabe des Rennens phasenweise weniger darum ging, den richtigen Weg zu finden, sondern ausschliesslich um den Bootsspeed. Von den rund 300 Einrümpfern liefen wir als 7. Boot ein. Absetzen konnten sich nur die "Raffica" und die "Wild Lady". Von Platz 3 bis 7 vergingen indes nur noch ca. 20 Minuten. Nicht schlecht für ein 9m Boot über diese lange Distanz.

Das einzige was hätte besser sein können - es wäre interessanter, die Strecke am Tag abzusegeln, als in der Nacht.

Hang loose

Michi

Tags: Quant, Boats
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