Quantastisches Segeln

Ciao zäme

Ich hatte gestern das Vergnügen einen Nachmittag lang mit Michi's neuem Spielzeug den Zürisee zwischen Uerikon und Rapperswil unsicher machen zu dürfen. Es war genial!

Der Zürisee ist ja nicht wirklich als Starkwindrevier bekannt und so sind wir dann auch bei schlapp nach unten hängenden Fahnen losgezogen. Stellenweise kräuselte sich die Wasseroberfläche ein wenig. Das hiess, Code Zero setzen (am halb ausgezogenen Bugspriet den Furler einhängen, das gerollte Segel hochziehen, ausrollen) und losfahren. Bei knapp 3 Knoten Wind sind wir mit 5 bis 6 Knoten Speed auf Halbwind bis leichtem Amwindkurs losgezogen. Sobald die Quant in Fahrt ist kommt der Wind eigentlich immer von vorne, da die Bootsgeschwindigkeit so hoch ist.

Bei Schwachwind wird der Flügel ins Luv verholt und das Boot wird rein über das Mannschaftsgewicht ausbalanciert, wobei es konstant die selbe Krängung von 5° haben sollt, um optimal schnell zu sein. D.h. Segler mit Jolleninstinkt sind im Vorteil und es bewährt sich, die Hälfte der Mannschaft ins Lee- und die andere ins Luvrack zu setzen und mit einem Mann im Schiff konstant den Krängungstrimm zu steuern. Mit unserer flotten Fahrweise haben wir einen Dartsegler animiert, ebenfalls Segel zu setzen. Er war dann vermutlich ziemlich erstaunt, wieso er kaum vom Fleck kam.

Nach vier Uhr frischte der Wind leicht auf, d.h. es bliess vielleicht mit 5 - 6 ktn und wir konnten mit dem Code Zero auf Halbwindkurs schon richtig powern oder mit der normalen Fock richtig an die Kreuz. An der Kreuz sind Rollwenden angesagt, sonst verliert man zu viel Fahrt und man hat das selbe Gefühl wie früher auf dem Windsurfer. Man ist in flotter Fahrt unterwegs und hat das Gefühl es hätte ganz anständig Wind, fährt ein Manöver und fragt sich, wieso der Wind ausgerechnet jetzt, beim Anfahren, vermeintlich abgestellt hat. Dadurch, dass die Quant einen so grossen Geschwindigkeitsbereich durchfährt ist auch konstantes Nachtrimmen der Segel angesagt, der Mannschaft wird's also sicher nie langweilig. Faszinierend war, wie man die Quant an der Kreuz bei Schwachwind regelrecht anpumpen konnte. Etwas tiefer fahren, beschleunigen, mit Gewichtsverlagerung und Segeltrimm noch etwas mehr beschleunigen und schon hat man über 5 ktn Fahrt und ab dann hilft der Fahrtwind, das Boot auf 6 ktn zu bringen, auch wenn es nur mit 4 ktn windet.

Gegen 18:00 kam eine kleine Front über den Albis rein und der Wind frischte auf, bis maximal 3 Windstärken, in den Böen vielleicht auch mal 4. Mit viel gutem Willen konnte man die ersten ganz kleinen Schaumkrönchen sehen, d.h. es blies so zwischen 10 und 13 ktn. Genug um endlich den Flügel einzusetzen.

Was dann passiert ist schlicht und ergreifend quantastisch. Das Boot geht ab wie eine Rakete und hämmert übers Wasser wie ein Surfbrett. Der Bug ist draussen und klatscht nur bei grösseren Wellen aufs Wasser, was zu einer kollektiven Mannschaftsdusche führt. Der Flügel stabilisiert und beruhigt das Boot enorm und die Mannschaft kann sich voll und ganz auf den Segeltrimm konzentrieren. Eindrücklich ist, wieviel Spass die Quant bei 10 ktn Wind mit der Normalbesegelung auf Halbwindkurs macht. Man flitzt in bester Windsurfermanier mit 12 - 13 ktn Speed übers Wasser und hat einfach Spass, wie auf einem Kat, oder einem Windsurfer bei 20 ktn Wind. Im Unterschied zum Windsurfer kann man mit der Quant aber auch gescheit Höhe laufen. Wenn man anfängt anzuluven, wird sie kontinuierlich langsamer, bis man dann bei maximaler Höhe mit 7 ktn unterwegs ist. Will man beschleunigen, fährt man 10 Grad tiefer und rauscht mit 10 ktn Speed aber immer noch brauchbarem VMG gegen Luv.

Was bei knappen 3 Windstärken unter Gennaker passiert schlägt jeden Urnersee- oder Malcesine Downwindritt den wir bis jetzt mit der Esse erlebt haben. Ich bin jedenfalls mit der Esse noch nie mit echten 18 GPS-ktn ins Lee gebrettert, schon gar nicht auf dem Zürisee. Die Quant Hispeed-Ritte werden auch akkustisch eindrücklich untermalt. Ein konstanter Pfeifton vom Achterstag erinnert an eine Turbine und man spürt den kindlichen Drang Rennwagengeräusche von sich zu geben;-) Ich wage mir noch gar nicht vorzustellen, was mit der Quant unter Gennaker am Urnersee abgeht, aber die 25 ktn Topspeed des VPPs glaube ich sofort.

Fazit: Die Quant 28 ist eine reinrassige Rennmaschine, die einer eingespielten Crew extrem viel Freude bereitet. Allerdings darf man sich am grossen Schotenpuff im Cockpit nicht stören und man muss gewillt sein, das Boot aktiv zu segeln, d.h. konstant richtig zu trimmen. Einmal einstellen, sich hinsetzen und ein bisschen rumfahren geht nicht. Was auch nicht geht ist in den Mast klettern um hochgezogene Falle wieder runterzuziehen. Das ist aber auch nicht nötig, da man das Boot einfach auf die Seite legt und vom Beiboot aus das Fall im Top wieder rauszieht. Das haben wir gestern auch noch ausprobiert. Anstrengend ist das Boot auch, ich fühle mich heute ein bisschen gerädert, obwohl ich nur ab und zu den Flügel oder den Gennaker bedient habe und beim Gewichtstrimm mitgeholfen habe. Aber nach einem Nachmittag Windsurfen bei gescheiten Bedingungen fühle ich mich noch viel älter.

Ich bin gespannt, wie's mit der Quantstory weitergeht und freue mich jetzt schon auf den nächsten Segeltag auf dem ultimativen Lakeracer.

Liebe Grüsse und schönes Wochenende

Marcel Tschanen (marcel.tschanen@wy.by)

Tags: Boats, Quant
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