21. Mai 2011: First Raceday (Regatta- und Erlebnisbericht)

Die Q28 nimmt anlässlich des ersten richtigen "Roll Outs" am Tribschenhornderby teil. Dieser traditionelle Luzerner Regattaanlass liegt direkt vor der Werft von Max Schmid, meinem Partner und Miteigner in diesem Boots-Projekt.
In seiner Werft haben wir der Quant28 unter der Regie von Kos (Kevin Kostin) den letzten Schliff gegeben. Es war ein ziemlich ausführlicher :-)

Dieser 21. Mai ist ein strahlend schöner Tag. Irgendwann nach 10.00 h starten wir als dritte Klasse, insgesamt 10 Minuten hinter den ersten Booten. Der Wind weht mit 5 bis 6kts in die Stadt hinein und wirk recht konstant.
Unsere direkten Gegner sind die drei viel grösseren und auf dem Revier sehr bekannten Boote (BB12, Modulo und Juwel34) und daneben werden wir uns mit weiteren Sportbooten wie Onyx, Esse und anderen balgen.

Kos, unser australischer Freund und Erbauer der DSS25, weist mich an, die Pinne zu übernehmen - ich wollte natürlich, dass er fährt - teils weil er unser Gast ist, teils weil er ein anderes Kaliber aufweist. Ich bin ein bisschen nervös - alle wollen wissen, was dieses "abartige" Sportboot kann und beobachten uns deshalb scharf. Der Start gelingt nicht übel. Aber kurz danach merke ich, dass die Kiste nicht recht laufen will. Kos weist mich an, zu drücken (nach Lee, um Speed aufzunehmen). So nach und nach gelingt das dann auch. Ich muss mich sehr konzentrieren. Nichts ist auf dem Boot vom Gefühl her so, wie auf den konventionellen Sportbooten, die ich kenne. Ich weiss es nicht, aber ich denke es ist eher ein bisschen wie auf einem Kat. Die Flosse ist klein und dünn, sie verträgt keine hohen Anstellwinkel. An diesem Tag schaffe ich es dann noch oft, dass das Boot über die Flosse nach Lee schiebt und entsprechend langsam fährt. Es schmiert regelrecht ab, wenn man diesen Fehler macht. Zusammen mit dem Umstand, dass das Ruder nicht vorbalanciert ist und deshalb bei Leichtwind auch wieder in die Normalstellung zurückzubringen ist, wird nach und nach der Umstellungsbedarf an der Pinne dieses Bootes klar. Je schneller man fährt, je einfacher wird es. Heimlich wünsche ich mir die 7 bis 8kts, die wir am Freitag erlebt haben. Da wird es einfacher mit dem Steuern und der Speed geht auch an der Kreuz weit über die 7kts-Grenze hinaus. Das würde mein Leben in diesem Rennen wirklich leichter machen. Leider erhört mich Aeolus nicht. Es muss offenbar auch so gehen.

Schliesslich haben wir uns freigesegelt und liegen in unserer Klasse bald in Front und ich kann mich ein bisschen entspannen. Sobald man den für das Boot optimalen Kurs segeln kann, wird die Überlegenheit klar. Ich sehe jetzt auch, dass die Mahnung von Hugh Welbourn (Designer und DSS Erfinder) - "Speed is your friend" - ernstzunehmen ist.

Downwind kommt es dann noch besser. Aufgrund der Gewichtsverhältnisse und der widerstandsarmen Bootsform dreht der scheinbare Wind auf dem Vorwind-Kurs sehr rasch nach vorn. Auf dem Schenkel zurück zur Leetonne können wir grad knapp den Anlieger halten - Onyx und Esse müssen bei dem leichten Wind ein oder gar zweimal halsen. Die Boote mit klassischen Spinnakern dümpeln im Verhältnis zu uns regelrecht dem Leefass zu.
Wir fahren viel weniger Weg und zudem schneller. Dabei ist unser Gennaker für diese Bedingungen nicht geeignet. Er ist für viel mehr Wind gemacht, zu rund und hat deshalb die Tendenz hinten zu schliessen, wenn man derart dicht fahren muss, wie wir in dieser Situation. Der Vorsprung wächst trotzdem unaufhaltsam - wir stellen uns vor, wie es wäre, wenn wir bereits über das richtige Segel für diese (see-typische) Situation verfügen würden. In diesen Momenten verliebe ich mich in diese Maschine.

Den Foil übrigens, haben wir an diesem Tag nie angefasst. Der Flügel fährt einfach mit, schaut links und rechts ein bisschen aus dem Boot und scheint (in Lee) keinen nennenswerten Widerstand zu produzieren. Ich habe glatt vergessen, dass wir überhaupt einen haben. Wenden und Halsen werden überhaupt nicht behindert. Der luvseitige Stummel ist in der Luft, weil man das Boot mit stetiger Krängung (5 bis 6 Grad) segeln muss. Aufrecht geht es bei dem leichten Wind nicht. Das ist Fakt. Auf längeren Schlägen, würde man den Foil so einfahren, dass er leeseitig mit dem Rumpf bündig ist - dann ist auch dieser Widerstand weg.

Der Rest ist rasch erzählt, die zweite Runde bringt uns bald an die erste Stelle im gesamten Feld aller drei Klassen. Nach dem Ranglistenstudium merken wir erst, wie viel Zeit wir den anderen Booten abgenommen haben. Deshalb - und das hat mich wirklich umgehauen - gewannen wir diesen Lauf auch nach berechneter Zeit.

Der zweite ging "in die Hose". Ich habe den Start völlig vergeigt, dann fiel der Wind zusammen und wir waren immer am falschen Ort. Pech halt, das man in einzelnen Läufen an solchen Rennen einfach haben kann. Gesegelt wurden wir in unserer Klasse dann noch 2. mit ein paar Sekunden Rückstand auf die erste Yacht. Gerechnet war das Resultat naturgemäss eher mies, wir wurden nach hinten durchgereicht. Den Preis für die schnellste Yacht konnte uns aber niemand streitig machen und dass es nach berechneter Zeit mit solchen Booten schwierig ist, zu gewinnen, war uns immer klar.

Max und ich sind erleichtert, dass das Boot diese aussergewöhnlichen Eigenschaften hat. Ich bin besonders froh, weil ich in den letzten 3 Jahren aus lauter Enthusiasmus so vielen, die es hören wollten oder auch nicht, von diesem "Quantensprung" vorschwärmte - immerhin scheine ich nicht geschwindelt zu haben.
Die Leichtwindeigenschaften sind offenbar gut, wenn die optimale Segelgarderobe hinzukommt, sogar ausgezeichnet und wenn Steuermann und Crew üben, scheinen die Grenzen dieses Bootskonzeptes ziemlich weit gesteckt zu sein.

Für einen Lakeracer - wie es die Quant28 laut Konzept- und Anforderungsbeschrieb ist - sind gute Leicht- und Mittelweindeigenschaften besonders wichtig für eine erfolgreiche Bootskarriere, da wir bestimmt in gegen 70 oder noch mehr % der Fälle in eben diese Luzerner-Bedingungen segeln. An die Anforderungen, die das Boot an die Mannschaft bei viel Wind stellt, denke ich als Leichtwindspezialist heute lieber noch nicht....

 

Mit herzlichem Mast- und Foilbruch
Michi Aeppli

Tags: Boats, Quant
Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.